Modell der Glockengussgrube

Eröffnung der Ausstellung zum Modell der Glockengussgrube

Musik, Archäologie und spannende Einblicke in die frühe Geschichte der Stadt

Wie klingt eine Glocke, die vor rund 1.200 Jahren in Dülmen gegossen wurde? Eine eindeutige Antwort darauf gibt es bislang nicht. Doch die neue Ausstellung im einsA bringt Besucherinnen und Besucher diesem außergewöhnlichen Kapitel Stadtgeschichte ein gutes Stück näher. Am 11. Oktober 2026 wurde die Ausstellung zur frühmittelalterlichen Dülmener Glockengussgrube mit Musik, archäologischen Einblicken und vielen neuen Erkenntnissen eröffnet.

Für den schwungvollen Auftakt sorgte Christian Przybyl. Mit einem Medley aus bekannten Glockenliedern begeisterte er die Gäste – von traditionellen Volksliedern bis hin zu Rock- und Popsongs.

Eröffnung der Ausstellung zum Glockengussmodell
Teilnehmende der Ausstellungseröffnung am Modell der Glockengussgrube.

Wie eng Glocken und Musik miteinander verbunden sind, erläuterte Dr. Hanna Koch, Leiterin des Glockenmuseums in Gescher. Weltweit wurden Glocken über Jahrhunderte hinweg vor allem als Signalgeber eingesetzt. In der abendländischen Kultur entwickelte sich die Glocke im Laufe des Mittelalters jedoch zunehmend auch zu einem Musikinstrument.

Doch wie klangen die Glocken, die einst in Dülmen hergestellt wurden? Dr. Gerard Jentgens, Archäologe und wissenschaftlicher Kenner des Fundes, hält einen eher blechernen Klang für wahrscheinlich. Eine verlässliche Rekonstruktion des ursprünglichen Glockenklangs ist bislang allerdings nicht möglich. Umso spannender ist es, den Spuren dieses frühen Handwerks nachzugehen.

Die Ausstellung macht den außergewöhnlichen archäologischen Fund anschaulich erlebbar. Im ersten Obergeschoss des einsA zeigt ein detailgetreues Modell die Fundsituation und gibt die Sohle der Dülmener Glockengussgrube wieder. Erklärtafeln und zwei Schaukästen zeigen wie die Grube und der Glockenguss einmal ausgesehen haben könnten. Ein Film informiert über die Entdeckung und die Bedeutung des Fundes. Zusätzlich laden zwei Hörbeispiele historischer Glocken dazu ein, selbst auf akustische Spurensuche zu gehen.

Ein früher Blick in Dülmens Geschichte

Die Ausgrabungen in der Dülmener Innenstadt und die Entdeckung der Glockengussgrube auf dem Gelände des heutigen einsA liegen inzwischen rund zehn Jahre zurück. Seitdem wurde der Fund wissenschaftlich intensiv untersucht – mit aufschlussreichen Ergebnissen. Die wahrscheinlichste Datierung der Glockengussgrube wird derzeit in die Jahre 765 bis 775 eingeordnet. Auch eine noch frühere Entstehung ist grundsätzlich möglich, allerdings deutlich schwieriger mit den damaligen Verhältnissen zu erklären.

Für die damalige Zeit war der Glockenguss ein anspruchsvolles Vorhaben. Er verlangte nicht nur großes handwerkliches Können, sondern auch eine sorgfältige Organisation. Materialien mussten beschafft und herangeschafft, einzelne Arbeitsschritte geplant und unterschiedliche Kenntnisse zusammengeführt werden. Der Fund zeugt deshalb nicht nur von einem alten Handwerk. Er gibt auch Hinweise darauf, wie sich die ansässige Volksgruppe der Sachsen zu einer frühen Christianisierung in Dülmen verhalten haben könnte.

Weitere archäologische Spuren könnten helfen, dieses Bild künftig zu vervollständigen. Dazu gehören unter anderem Pfostenbauten aus dem 10. Jahrhundert, die möglicherweise Aufschluss über das damalige Siedlungsumfeld geben. Auch die Frage, wie das frühe Glockengießerhandwerk mit der späteren Entwicklung des Ortes zusammenhängt, ist noch nicht abschließend beantwortet.

Zwischen der Entstehung der Glockengussgrube und der ersten urkundlichen Erwähnung eines Kirchengebäudes in Dülmen im Jahr 1074 liegen mehrere Jahrhunderte. Welche Entwicklungen sich in dieser Zeit vollzogen haben und was aus den vor Ort gegossenen Glocken wurde, bleibt ein spannendes Forschungsfeld.

Ausstellung noch bis Ende Januar im einsA

Wer die Ausstellung besucht, begegnet einem außergewöhnlichen Stück Dülmener Geschichte.

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des einsA noch bis zum 14. Januar 2027 zugänglich. Nach Ende der Präsentation sollen die Ausstellungsstücke dauerhaft ihren Platz im Glockenmuseum in Gescher finden.

Wer noch tiefer in die Geschichte eintauchen möchte, kann eine Führung mit Mitgliedern des Heimatvereins Dülmen vereinbaren. Das Angebot richtet sich an Gruppen, Schulklassen und interessierte Einzelpersonen. Dabei geht es um die Entdeckung der Glockengussgrube, die damalige Herstellungstechnik und die Bedeutung des Fundes für die frühe Geschichte Dülmens.

Anmeldung und Information: Stadtarchiv Dülmen, Telefon 02594 / 12416.

Buchumschlag zu den Dülmener Lokalpolitikern der Weimarer Zeit

Buch über frühere Stadtverordnete jetzt vorbestellen

Was für Menschen haben als Stadtverordnete in der Weimarer Republik die Kommunalpolitik in Dülmen bestimmt – und was wurde aus ihnen in der Zeit des Nationalsozialismus nach 1933? Diese Frage untersuchte seit 2023 ein Forschungsprojekt des Stadtarchivs Dülmen auf Grundlage eines Ratsbeschlusses, angeregt durch einen Bürgerantrag. Entstanden ist daraus nun das Buch „Die Dülmener Stadtverordneten der Weimarer Republik und ihr Schicksal im Nationalsozialismus“ von Stadtarchivar Dr. Stefan Sudmann, das der Heimatverein Dülmen herausgibt. Es geht im Oktober 2026 in den Druck und wird voraussichtlich ab Anfang Dezember 2026 erhältlich sein.

Interessierte können sich beim Bürgertreff am 3. Oktober 2026 am Stand des Heimatvereins (auf dem Markt der Möglichkeiten) über das Buch informieren und es ab diesem Tag auch beim Stadtarchiv vorbestellen (stadtarchiv@duelmen.de). Zahlreichen Sponsoren, darunter das Land Nordrhein-Westfalen, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, die Sparkasse Westmünsterland, die Bürgerstiftung Dülmen und der Lions-Club Dülmen, haben das Projekt unterstützt. So konnte ein günstiger Verkaufspreis von 3 Euro ermöglicht werden. Die Dülmener Schulen können jeweils einen kostenlosen Klassensatz zur politisch-historischen Bildung und zur Demokratie-Bildung erhalten.

Durch die Kombination vielfältiger Quellen der kommunalen, staatlichen und kirchlichen Überlieferung bietet das 172 Seiten umfassende Buch ein buntes Bild ganz verschiedener politischer Biographien. „Es wird für Dülmen aber mehr bieten als nur Biographien von 73 Stadtverordneten – darunter zwei Frauen – und Verweise auf ein Dutzend weitere Kommunalpolitiker“, betont Stadtarchivar Dr. Stefan Sudmann. „Sichtbar wird an den Biographien auch die Dülmener Stadtgesellschaft mit ihren Netzwerken.“ Denn die meisten Stadtverordneten waren nicht nur in Parteien, sondern zugleich in Vereinen, Verbänden und Gremien aktiv, in Gesangvereinen, Arbeitervereinen, Gewerkschaften, in der Kirche (Kirchenvorstand, Kirchenchor, Männersodalität) und vor allem in Schützenvereinen, z.B. als Schützenkönige und/oder Vorstandsmitglieder.

Für Nordrhein-Westfalen handelt es sich bei dem Projekt um eine Pionierstudie: Es liegen zwar für einzelne Städte Publikationen über Stadtverordnete und Stadträte der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus vor, jedoch noch nicht mit solch ausführlichen Biographien aller Stadtverordneten, wie das Dülmener Buch sie bieten wird. Das nun abgeschlossene Dülmener Forschungsprojekt kann so auch als Anregung für ähnliche Projekte in anderen Städten dienen.

Stadterkundung mit Schülerinnen und Schülern

Stadterkundung für Kinder

Download der Arbeitsblätter für die Entdeckertour (Stadterkundung)

Wir erkunden die Innenstadt von Dülmen
Entdeckertour für Grundschulen (Klassen 3 – 4)

Mit der Entdeckertour „Wir erkunden die Innenstadt von Dülmen“ stellt der Heimatverein Dülmen den hiesigen Grundschulen Unterrichtsmaterial zum Thema „Meine Stadt“ zur Verfügung. An acht Lernstationen können die Kinder wichtige Straßen, Plätze und Gebäude, die für das Leben in Dülmen von Bedeutung sind, kennenlernen. Dabei geht es nicht allein um historische Gebäude wie die St. Viktor-Kirche oder das Lüdinghauser Tor, sondern auch um „moderne“ Dienstleistungs-Einrichtungen wie das Rathaus, Banken, die Stadtbücherei oder das Kino.

Stadterkundung am Kriegerdenkmal
Station 2: Kriegerehrenmal. Stadtrundgang am 9.4.2025 mit einer Klasse der Augustinus-Grundschule. Foto: M. Dreike.

Die 10 Arbeitsblätter sollten allen Teilnehmenden in ausgedruckter Form vorliegen und auf dem Rundgang mitgenommen werden. Bevor es losgeht, kann jedes Kind die Materialien auf dem Deckblatt „personalisieren“ und damit zu seiner „Dülmen-Mappe“ machen. Eine Karte, allgemeine Hinweise und ein Ablaufplan auf dem zweiten Arbeitsblatt dienen einer groben Vorab-Orientierung.

„Was ist ein Wahrzeichen?“, „Wie modern ist Dülmen?“ oder „Warum liegt hier ein Löwe?“ – das sind einige der Entdeckerfragen, die zum genauen Hinsehen, Fragen, Beschreiben und Bewerten führen sollen. Die Arbeitsblätter zu den acht Stationen enthalten kurze Einführungstexte und Abbildungen, die zum Dialog zwischen den begleitenden Pädagogen und den Kindern anregen. Die schriftlichen Aufgaben können weitgehend später in der Schule oder zu Hause und (bis auf wenige Notizen) nicht schon während des Rundganges erledigt werden.

Die einzelnen Stationen sind auf kurzen Wegen barrierefrei erreichbar. Eine Pause bietet sich nach der 5. Station (Keller Pins) an und könnte gut im Gebäude des EinsA (bitte anmelden!) stattfinden. Bei schönem Wetter machen die Kinder sicher gern von den Spielmöglichkeiten auf dem Kirchplatz der Viktorkirche Gebrauch.

Selbstverständlich kann das Unterrichtsmaterial auch von Förderschulen oder den Eingangsklassen einer weiterführenden Schule genutzt werden.

Viel Spaß und Freude!
Heimatverein Dülmen

Hermannsdenkmal, (c) Berthold Kleine-Vorholt, Creative-Commons-Lizenz

Zwischen Kultur und Natur: Heimatverein Dülmen auf Spurensuche im Teutoburger Wald

Am vergangenen Samstag (6. September 2025) machten sich 33 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam mit dem Heimatverein Dülmen e.V. auf den Weg in den südlichen Teutoburger Wald. Mit einem modernen Reisebus führte der Herbstausflug zu zwei besonderen Zielen: dem traditionsreichen Hermannsdenkmal bei Detmold und den sagenumwobenen Externsteinen bei Horn-Bad Meinberg.

Die Reisegruppe vor dem Hermannsdenkmal
Reisegruppe vor der höchsten Statue Deutschlands

Geschichte zum Anfassen am Hermannsdenkmal

Erste Station war die 386 Meter hohe Grotenburg, wo das Hermannsdenkmal seit 150 Jahren über die Wälder ragt. Am neu geschaffenen Besucherzentrum Hermanneum nahmen zwei Gästeführerinnen die Gruppe in Empfang. Sie erläuterten die wechselvolle Geschichte des Denkmals: von den künstlerischen Entwürfen des Initiators Ernst von Bandel über dessen jahrzehntelange Arbeit bis hin zur Vereinnahmung durch verschiedene politische Strömungen. Heute versteht sich das Monument bewusst als „Mahnmal für den Frieden“.

Der Rundgang führte auch über das Gelände einer ehemaligen Fluchtburg aus der Vorzeit. Besonders eindrucksvoll: die Sichtachse von alten Sandstein-Arbeitstischen auf die gigantische Statue. Krönender Abschluss war der Aufstieg zum Umlaufbereich des Sockels. Bei strahlendem Spätsommerwetter genoss die Dülmener Gruppe von dort einen Panorama-Blick über den Teutoburger Wald und das Eggegebirge.

Imposante Felsenwelt: die Externsteine

Nach einer Stärkung in der Erlebniswelt am Denkmal ging es weiter zum zweiten Ziel: den Externsteinen. Der Spaziergang durch die parkartige Anlage führte die Teilnehmenden an den Fuß der markanten Sandsteinformationen, die seit Millionen Jahren das Landschaftsbild prägen.

Besonderes Interesse weckte das monumentale Relief der Kreuzabnahme Christi aus dem 12. Jahrhundert, das Reisebegleiter Dr. Dieter Potente anschaulich erklärte. Das europaweit einzigartige Kunstwerk ist bis heute ein Magnet für Besucherinnen und Besucher. Die charakteristische Felsformation, das umgebende Grün und das Wasser machten den Nachmittag zu einem stimmungsvollen Abschluss.

Perfekte Mischung aus Kultur, Natur und Gemeinschaft

Ob Geschichtsvermittlung im Hermanneum, eindrucksvolle Ausblicke vom Hermannsdenkmal oder die spirituelle Aura der Externsteine – der Tag bot eine gelungene Verbindung von Kultur und Natur. Das reibungslose Zusammenspiel von Organisation, fachkundigen Führungen und geselligem Miteinander machte die Exkursion für alle Beteiligten zu einem besonderen Erlebnis.

Der Heimatverein Dülmen plant regelmäßig ähnliche Fahrten. Informationen zu kommenden Terminen finden Interessierte auf der Vereins-Website und in den sozialen Medien des Vereins.

David Dublon – jüdischer Dirigent, Kantor und Lehrer in Dülmen

David Dublon – jüdischer Dirigent, Kantor und Lehrer in Dülmen

Das kulturelle Leben im ländlichen Münsterland wurde im frühen 20. Jahrhundert auch von Jüdinnen und Juden geprägt. Der Heimatverein Dülmen und das Stadtarchiv haben am 19. November 2024 zu einem Vortrag mit Sharon Jael Betker eingeladen, der sich mit diesem besonderen Aspekt der Stadtgeschichte befasst: David Dublon war Kantor und Lehrer in Dülmen.
Im Mittelpunkt des Vortrags von Sharon Jael Betker stand das Leben von David Dublon. Der Dülmener Lehrer, Kantor und Dirigent wirkte segensreich viele Jahrzehnte in zwei lokalen Männerchören. David Dublon war jüdischen Glaubens und wohnte mit seiner Familie in der Lehrerdienstwohnung an der Synagoge in der Münsterstraße. Mit der so genannten Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland wurden jüdische Mitbürger trotz ihrer Verdienste und Erfolge aus Vereinen und Positionen im Kulturbetrieb verdrängt. Dazu reichte oftmals ein verändertes politisches Klima in der Stadtgesellschaft aus. Offene Judenfeindlichkeit, Hetze und Diffamierungen schufen auch in Dülmen eine Drohkulisse, die es den Menschen mit jüdischen Wurzeln schwer machte, ihr gewohntes, sozial integriertes Leben hier weiter zu führen. David Dublon ist einer von vielen Musikerbiografien, die die Referentin Sharon Jael Betker im Rahmen ihrer Masterarbeit aufgearbeitet hat. Dazu hat sie Archive gesichtet und Nachfahren befragt.
So konnte Stadtarchivar Dr. Stefan Sudmann zum Ende des Vortrags resümieren, dass einige Archivstücke und Informationen für ihn neu waren und das soll bei Sudmann als ausgewiesenem Stadthistoriker schon etwas heißen.
Das Publikum bedankte sich mit kräftigem Applaus.

Einladung zur Ausstellungseröffnung

HeimA[R]T BIRTHDAY CELEBRATIONS

Welche Motivation verführt drei Vereine einer münsterländischen Mittelstadt dazu, aus zufälligen Geburtstagsereignissen eine Ausstellung abzuleiten. Was haben der 250ste Geburtstag einer hoch verehrten lokalen Seligen mit dem 100jährigen segensreichen Wirken eines Heimatvereins zu tun? Eines ist evident: alle haben ein Anrecht darauf, gefeiert zu werden für das, was sie für die Stadt und ihre Bewohner Gutes bewirkt haben und bewirken. Zunächst Anna Katharina Emmerick, die den großen Dichter Clemens Brentano fast sechs Jahre an Dülmen gefesselt hat und heute noch eine weltweite Gemeinde gläubiger Anhänger begeistert. In der Ausstellung wird anhand von Gemälden, Skulpturen und Abbildungen aus den vergangenen 200 Jahren versucht, ein Bild der Seligen zu vermitteln. Entstanden sind eine erstmalige Gesamtschau und eine umfassende Beschreibung der Kunstwerke, die sich mit der Seligen beschäftigen. Vielleicht kommt man damit dem Geheimnis der Anna Katharina Emmerick ein wenig näher.

Auf andere Weise wird die Arbeit des Heimatvereins gewürdigt. Vorwiegend aus den Beständen des Stadtarchivs werden selten gezeigte Stadtansichten von Dülmen präsentiert. Zum Teil liebevoll restauriert wird eine Galerie meist farbiger Gemälde und Zeichnungen gezeigt. Dort und besonders im hier vorliegenden Katalog dokumentiert sich das wertvolle Wirken des Heimatvereins: die Vergangenheit Dülmens in Bildern, Objekten und Schriftstücken zu erforschen, in spannende, gut lesbare Literatur zu verwandeln und so für die heutige Zeit und die Zukunft zugänglich und nutzbar zu machen. Dieses wurde vielfach in den Dülmener Heimatblättern praktiziert und zeigt hier eine neue Blüte.

Der Förderverein für Kunst und Kultur hat als Dritter im Bunde eine ganz andere Motivation: es kommt ihm darauf an, Kulturgüter, die oft im Verborgenen existieren und die in Gefahr sind dem Vergessen anheimzufallen, ans Licht zu tragen, neu ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen. Damit nicht genug: durch das Kontrastieren mit aktueller Kunst junger Künstlerinnen wird versucht ein neues Licht auf die Objekte zu werfen, Assoziationen hervorzurufen, Verbindungslinien zu ziehen, eine gegenseitige Befruchtung von alter und neuer Kunst zu bewirken. Und nicht zuletzt geht es darum, die klassischen Kunstkategorien aufzubrechen, eine etwas ganzheitlichere Sicht auf die Kultur zu werfen, und auch eine Vernetzung der Akteure aus Stadt, Archiv, Museum, Kulturvereinen und zeitgenössischen Künstlerinnen zu bewirken. Und vor allem: Spaß an Kultur zu haben, bisher nie Gesehenes in interessanten Zusammenhängen zu entdecken und sich zu wundern, was Dülmen alles zu bieten hat. Dieses Gemeinschaftsprojekt wird möglich durch großen Einsatz von Angela und Franz-Josef Pund vom Emmerick-Bund, Erik Potthoff und Dr. Stefan Sudmann vom Heimatverein Dülmen sowie von Werner Lütkenhaus (Idee und Kuratieren der Ausstellung) und Ruth Hillers (Gestaltung der Broschüre), beide vom Förderverein für Kunst und Kultur. Einige der historischen Dülmen-Ansichten wurden von Anja Frerichmann restauriert, so dass sie in neuem Glanz erstrahlen. Die Exponate für die verbindende aktuelle Kunst werden von den Dülmener Künstlerinnen Stefanie Ring und Maria Eggenkemper zur Verfügung gestellt. Dank gebührt der Stadt Dülmen für die Unterstützung im Rahmen der Kulturförderung. Finanziell getragen wird das Projekt von den drei beteiligten Vereinen und großzügigen Spenden der Bürgerstiftung Dülmen und der VR-Bank Westmünsterland.

Die Ausstellung wird in den Räumen der Kulturwerkstatt, Westring 20 in Dülmen, vom 17. August bis zum 15. September 2024 stattfinden.

Anstelle einer klassischen Vernissage werden die Künstlerinnen und die Projektbeteiligten am ersten Ausstellungssamstag, dem 17. August, von 11 bis 17 Uhr für Erläuterungen und Gespräche zur Verfügung stehen. Begleitend zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog, der den aktuellen Stand der Forschung zu den historischen Stadtansichten Dülmens zusammenfasst, eine Übersicht der bisher bekannten Abbildungen von Anna Katharina Emmerick bietet und den Bezug zu den Bildern und Skulpturen von Stefanie Ring und Maria Eggenkemper herstellt.

Interviews zu den vorgestellten Lieblingsstücken

Heimatverein sucht Raritäten, Sammler-, Erb- und Lieblingsstücke

Der Heimatverein Dülmen ist mal wieder auf der Suche nach Objekten mit Geschichte. In den Dülmener Wohnungen und Häusern schlummern Raritäten, Sammler-, Erb- und Lieblingsstücke, zu denen es jeweils mindestens eine Geschichte zu erzählen gibt.

Stoffhase aus einer Sammlung
Sammlerstück

Sammeln soll eine positive Wirkung auf den Menschen haben und ganz entscheidend den eigenen persönlichen Horizont erweitern.
Nicht umsonst sind die Fernsehformat „Kunst & Krempel“, „Lieb & Teuer“, „Schatz oder Schätzchen“ oder „Bares für Rares“ so beliebt beim Publikum. Insbesondere die Kuriositäten und die Beleuchtung der Hintergründe zu den Kunstobjekten oder Alltagsgegenstände faszinieren die Zuschauenden.

Bereits vor zwei Jahren konnte der Heimatverein Dülmen Gegenstände, deren Besitzerinnen und Besitzer sowie ihre Geheimnisse und Geschichten hinter den Objekten für eine Veranstaltung im einsA gewinnen. Die Personen, die ihre „Schätze“ oder Erinnerungsstücke vorstellten, kamen damals aus allen Generationen.

Bereits in der Renaissance und im Barock legten Menschen, die es sich finanziell leisten konnten, so genannte Kunstkammern an; repräsentative Sammlungen von Adeligen und vermögenden Bürgern. Im Zentrum des Interesses an solchen Sammlungen stand eine Faszination für Raritäten und Kuriositäten. Aus diesem Grund und zur Erweiterung des eigenen Wissens werden heute auch Museen besucht, die sich auf spezielle Themen beschränkt haben. Museen vermitteln an alltäglichen, teils unscheinbaren Dingen, wichtige geschichtliche Ereignisse.

Ein Stück verrosteter Stacheldraht und die Zange, die den „eisernen Vorhang“ zwischen Ost und West in Ungarn öffnete, werden ebenso ausgestellt, wie der Spickzettel, den Günter Schabowski am frühen Abend des 9. November 1989 nutzte, um am Ende einer Pressekonferenz für die Öffnung der Mauer im geteilten Deutschland zu sorgen.

An dieser Faszination für geschichtsträchtige Alltagsgegenstände, Raritäten und Kuriositäten einzelner Sammler und Sammlerinnen möchte der Heimatverein Dülmen die Öffentlichkeit teilhaben lassen.
Dazu ist am Freitag, dem 15. März 2024, der große Veranstaltungsraum im einsA reserviert.Beginn der Veranstaltung ist um 18.30 Uhr. Auf der großen Bildschirmwand kann das Publikum im Saal dann die ins Bild gesetzten Objekte gut mitverfolgen, über die gerade gesprochen wird.

Bereits in der ersten Auflage mit dem Schwerpunkt Erb-, Familien- und Lieblingsstücke überzeugte das Konzept das Publikum mit faszinierenden Familiengeschichten zu den präsentierten Objekten. Ein Ausschnitt eines historischen Fliesenspiegels hält bis heute die Erinnerung an ein abgebrochenes Haus, die Hochzeit der Vorfahren und das Leben, dass sich in diesem Haus über Jahrzehnte abgespielt hat, wach. Über das alte Werkzeug des Großvaters konnte der Beruf des Hufschmieds im ländlichen Raum, der Besuch der Nachbarhöfe, die Verbundenheit der dort lebenden Menschen dem staunenden Publikum nähergebracht werden.
Entscheidende Hilfestellung leistet die Moderation einer solchen Veranstaltung, die sich auf die Objekte detailtief vorbereitet, die richtigen Fragen stellt und so den Besitzerinnen und Besitzern die Hilfestellung mitliefert, um über ihre Objekte aus ihren Erinnerungen hautnah und anschaulich zu berichten. Gerne können auch mehrere Generationen gleichzeitig von ihrem Dachbodenfund oder den in Ehren gehaltenen Erinnerungsstück berichten.

Zur Vorbereitung der Moderation sind das Mitsenden von Informationen über den zu zeigenden Gegenstand oder das Objekt sowie mindestens zwei Fotodateien erforderlich: eine, die das Objekt in der Gesamtansicht zeigt und eine, die wichtige Details, Herstellerzeichen o. ä. zeigt.

Die Objekte und ihre Geschichten werden von ihren Besitzern unter Moderation des Heimatvereins im oberen Saal im einsA vorgestellt.  Aus diesem Grund sucht der Heimatverein noch Raritäten, Sammler-, Erb- oder Lieblingsstücke aus der Dülmener Bevölkerung, die in Form eines Podiumsgesprächs präsentiert werden können. Wer mitmachen möchte, kann sich ab sofort an den Heimatverein (www.heimatverein-duelmen.de / info[at]heimatverein-duelmen.de) wenden oder via Facebook melden.

Archäologe Dr. Jentgens im Interview mit Markus Trautmann

Heimatverein stellte Bilderbuch über das Schicksal der Familie Pins vor

In Form eines geselligen „bunten Abends“ stellte der Heimatverein Dülmen im Bistro Orange des Begegnungszentrums einsA am vergangenen Donnerstag (30. November 2023) der Öffentlichkeit das Bilderbuch über das Schicksal der jüdischen Familie Pins vor, die einst am Kirchplatz wohnte. Dabei standen die Beteiligten an diesem Buch den Interviewern Rede und Antwort. Eingerahmt wurden die Interviews durch kurze Lesungen des Schülers Paul Freitag sowie Musikstücke, die Christoph Falley alleine oder zusammen mit Kindern des Kinderchores von St. Viktor vortrug.
Die Entstehung des Buches verdankt sich quasi einer zweifachen Ausgrabung : Zum einen wurden im Erdreich zwischen dem Dülmener Rathaus und der Kirche die Reste vom früheren Wohnhaus der jüdischen Familie Pins gefunden. Zum anderen tauchte eine alte Polizeiakte auf, die eine Geschichte über diese Familie erzählt, die nachdenklich stimmt.
Wer gräbt, kann Schätze entdecken ! Als Protagonist nimmt Gerard der Ausgräber die Lesenden des Kinderbuches mit unter die Erde. Als archäologische Leitung der Dülmener Grabungen und reales Vorbild für die Buchfigur verriet Dr. Gerard Jentgens, dass „viele der zutage geförderten Fundstücke die Geschichte der ganzen Stadt beschreiben könnten.“
Den Fragen von Autor Markus Trautmann und Heimatvereinsvorsitzenden Erik Potthoff stellten sich zudem die Illustratorin Bärbel Spangenberg und Florian Kübber, Vorsitzender des Kulturausschusses.

Wie schwer es ist düstere Themen kindgerecht in Bildern aufzubereiten erläuterte Stangenberg dem Publikum und lobte gleichzeitig den Autor Trautmann für seine einfühlsamen und anschaulichen Texte. Mit ihm stimmte sie sich auch regelmäßig über Skizzen und Illustrationen ab. In ihren mit Aquarellfarben, Buntstiften und digitalen Werkzeugen kolorierten Bildern werden unterschiedliche Stimmungen und Themen den jungen und erwachsenen Lesern vermittelt. Hier ist für Spangenberg, die auch mit Schulbuch- und Spieleverlagen wie Klett oder Ravensburger arbeitet, die kindgerechte Umsetzung oberstes Gebot. „Farben und die Perspektive sind stilistische Elemente, um – je nach Zielgruppe – die Betrachter anzusprechen“, so die Künstlerin.
Von der Politik in Verkörperung des Kulturpolitikers Kübber wollte Potthoff wissen, wie einerseits der Wert der gefundenen Schätze hervorzuheben und andererseits die Dülmener Öffentlichkeit für die Historie ihrer Heimat zu sensibilisieren und zu gewinnen sei. „Das vorliegende Kinderbuch und die bisherigen Veröffentlichungen zu diesem Thema könnten eine erste Antwort auf diese Frage sein.“, betonte Kübber.

Wie die archäologischen Funde zudem öffentlich zugänglich gemacht werden könnten? Ein Antrag zum Aufbau einer dauerhaften Ausstellung könnte ein Weg sein, um Stadtgeschichte lebendig zu halten, schlug Kulturpolitiker Kübber vor. Ein Vorschlag, dem Potthoff unumwundene Unterstützung versprach.

Autor (Markus Trautmann), Illustratorin (Bärbel Stangenberg) und Buchfigur Gerard der Ausgräber (Dr. Gerard Jentgens) am Schluss der Buchvorstellung
Gedenkstein auf dem alten jüdischen Friedhof

“Nie wieder” – Gedenken und Zeichen

Ein weithin sichtbares und wahrnehmbares Zeichen setzten mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei einer Gedenkveranstaltung in Dülmen. Auf dem ehemaligen jüdischen Friedhof am Lüdinghauser Tor gedachten die Anwesenden am 9. November der Ereignisse vor 85 Jahren. Initiiert von den Nationalsozialisten wurden 1938 in ganz Deutschland Synagogen, jüdische Gebetsräume und Versammlungsorte in Brand gesteckt und die Geschäfte sowie die Wohnungen jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger demoliert und verwüstet.

Mit der Reichspogromnacht begann eine Welle der Gewalt gegen Jüdinnen und Juden, die schließlich im Holocaust endete.

Aus diesem Grund rief die Stadt Dülmen die Öffentlichkeit zur Erinnerung und Mahnung auf.

In seiner Rede ging Bürgermeister Carsten Hövekamp sowohl auf die historischen Ereignisse jener Nacht in Dülmen als auch auf die verstörenden Gräueltaten der Hamas beim Überfall auf Israel am 7. Oktober ein. „Noch nie war es so wichtig, dass wir alle für Menschlichkeit, Toleranz und Frieden einstehen“, betonte der Bürgermeister. „Nie wieder; ist jetzt!“

Lucy Keßel, Paul Everwien, Finn Heinermann und Anna Meier von der Hermann-Leeser-Schule trugen Auszüge aus Berichten von Dülmener Zeitzeuginnen vor, die am 9. November 1938 erst 14 bzw. sechs Jahre alt waren. Clara Töns erinnerte sich an die brennende Synagoge in der Münsterstraße und dass die Feuerwehr nur darauf achtete, ein Überspringen der Flammen zu verhindern. Auch an die Schreie von Lehrer Dublon, den die Schlägertrupps die Treppe seines Hauses herunter stießen und zum Dülmener Gefängnis trieben.

Margot Tobias, geborene Cahn, war damals sechs Jahre alt. Die jüdische Familie Cahn lebte in der Marktstraße und hatte Glück: Die Nazis kamen damals nicht in ihr Haus, in dem sie in Angst ausharrten. „Vielleicht weil nur Mutter, Großmutter und wir Mädchen dort waren?“. Der Text, den sie Jahre später auf hebräisch verfasste, wurde ins englische übersetzt und von ihren Kindern erst im letzten Jahr nach Dülmen gebracht. Die Familie schaffte die Flucht nach Argentinien und wanderte später nach Israel aus.

Mit einer Kranzniederlegung durch den Bürgermeister und dem Entzünden von Kerzen durch die Schülerinnen und Schüler endete diese würdige Veranstaltung, die ihre musikalische Note durch Ismene Dura auf der Klarinette erfuhr.

Buchvorstellung "Hier wohnte..."

Spannende Buchvorstellung

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Vor zahlreich erschienenen Gästen moderierte Erik Potthoff als Vorsitzender des Dülmener Heimatvereins am Mittwochabend im Forum Bendix eine kurzweilige und spannende Buchpräsentation: Die Rede ist von der Vorstellung der Neuerscheinung „Hier wohnte … – Auf den Spuren von Dülmener NS-Opfern“. Dank eines großzügigen Sponsoring steht nun allen Interessierten in Dülmen und darüber hinaus ein kompaktes und niederschwelliges Kompendium zur Verfügung, angelegt als ein literarischer Stadtrundgang und reich illustriert. „Es lassen sich bis heute immer neue Spuren der Vergangenheit und heutige Perspektiven finden“, erklärte Potthoff das publizistische Engagement des Heimatvereins. Im Interview mit Potthoff stellten die vier am Werk beteiligten Autorinnen und Autoren je ein „Lieblingsfoto“ aus dem Buch vor. So erläuterte Dr. Stefan Sudmann anhand einer lebedigen Straßenszene der 1930er Jahre die „Alltäglichkeit“ des Nationalsozialismus in Dülmen – zwischen „Braunem Haus“ und jüdischem Geschäft Eichengrün. Ebenfalls aus jenen Jahren erklärte Markus Trautmann ein Foto, auf dem Ernst Leeser und seine Söhne

samt Chauffeur vor dem Kirchplatz von St. Viktor in die Kamera blicken, durchaus mit großbürgerlichem Selbstbewusstsein. Umso tragischer sei dann der soziale Abstieg in der chilenischen Emigration gewesen. Ein weiteres Familienfoto, in diesem Fall von ca. 1910, stelle Dr. Andrea Peine vor: Es zeigt den zweieinhalbjährigen Hermann Davidson, gekleidet in eine Kindervariante eines Admiralsmantels. „Ein so frühes und harmloses Kinderbild zu kennen, und dann seine letzten Akten aus der Krankenbaracke von Auschwitz einzusehen – das geht einem nahe“, so ihre Empfindung. In die heutige Gegenwart führte die Zuhörer ein Motiv, das Christiane Daldrup vorstellte, nämlich ein Foto vom erst jüngst ausfindig gemachten Grabplatz von Regina Bendix in Köln. „Ihr Enkel Marc Bendix in Kanada war durch dieses Rechercheergebnis sehr angerührt“, berichtete sie. Überhaupt seien die während der Entstehung des Buches entstandenen Kontakte zu Nachgeborenen aus Dülmener jüdischen Familien sehr anregend und motivierend gewesen, war sich das Autorenteam einig. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung durch Heinrich Rövekamp, der Solostücke am Cello zu Gehör brachte.