Modell der Glockengussgrube

Eröffnung der Ausstellung zum Modell der Glockengussgrube

Musik, Archäologie und spannende Einblicke in die frühe Geschichte der Stadt

Wie klingt eine Glocke, die vor rund 1.200 Jahren in Dülmen gegossen wurde? Eine eindeutige Antwort darauf gibt es bislang nicht. Doch die neue Ausstellung im einsA bringt Besucherinnen und Besucher diesem außergewöhnlichen Kapitel Stadtgeschichte ein gutes Stück näher. Am 11. Oktober 2026 wurde die Ausstellung zur frühmittelalterlichen Dülmener Glockengussgrube mit Musik, archäologischen Einblicken und vielen neuen Erkenntnissen eröffnet.

Für den schwungvollen Auftakt sorgte Christian Przybyl. Mit einem Medley aus bekannten Glockenliedern begeisterte er die Gäste – von traditionellen Volksliedern bis hin zu Rock- und Popsongs.

Eröffnung der Ausstellung zum Glockengussmodell
Teilnehmende der Ausstellungseröffnung am Modell der Glockengussgrube.

Wie eng Glocken und Musik miteinander verbunden sind, erläuterte Dr. Hanna Koch, Leiterin des Glockenmuseums in Gescher. Weltweit wurden Glocken über Jahrhunderte hinweg vor allem als Signalgeber eingesetzt. In der abendländischen Kultur entwickelte sich die Glocke im Laufe des Mittelalters jedoch zunehmend auch zu einem Musikinstrument.

Doch wie klangen die Glocken, die einst in Dülmen hergestellt wurden? Dr. Gerard Jentgens, Archäologe und wissenschaftlicher Kenner des Fundes, hält einen eher blechernen Klang für wahrscheinlich. Eine verlässliche Rekonstruktion des ursprünglichen Glockenklangs ist bislang allerdings nicht möglich. Umso spannender ist es, den Spuren dieses frühen Handwerks nachzugehen.

Die Ausstellung macht den außergewöhnlichen archäologischen Fund anschaulich erlebbar. Im ersten Obergeschoss des einsA zeigt ein detailgetreues Modell die Fundsituation und gibt die Sohle der Dülmener Glockengussgrube wieder. Erklärtafeln und zwei Schaukästen zeigen wie die Grube und der Glockenguss einmal ausgesehen haben könnten. Ein Film informiert über die Entdeckung und die Bedeutung des Fundes. Zusätzlich laden zwei Hörbeispiele historischer Glocken dazu ein, selbst auf akustische Spurensuche zu gehen.

Ein früher Blick in Dülmens Geschichte

Die Ausgrabungen in der Dülmener Innenstadt und die Entdeckung der Glockengussgrube auf dem Gelände des heutigen einsA liegen inzwischen rund zehn Jahre zurück. Seitdem wurde der Fund wissenschaftlich intensiv untersucht – mit aufschlussreichen Ergebnissen. Die wahrscheinlichste Datierung der Glockengussgrube wird derzeit in die Jahre 765 bis 775 eingeordnet. Auch eine noch frühere Entstehung ist grundsätzlich möglich, allerdings deutlich schwieriger mit den damaligen Verhältnissen zu erklären.

Für die damalige Zeit war der Glockenguss ein anspruchsvolles Vorhaben. Er verlangte nicht nur großes handwerkliches Können, sondern auch eine sorgfältige Organisation. Materialien mussten beschafft und herangeschafft, einzelne Arbeitsschritte geplant und unterschiedliche Kenntnisse zusammengeführt werden. Der Fund zeugt deshalb nicht nur von einem alten Handwerk. Er gibt auch Hinweise darauf, wie sich die ansässige Volksgruppe der Sachsen zu einer frühen Christianisierung in Dülmen verhalten haben könnte.

Weitere archäologische Spuren könnten helfen, dieses Bild künftig zu vervollständigen. Dazu gehören unter anderem Pfostenbauten aus dem 10. Jahrhundert, die möglicherweise Aufschluss über das damalige Siedlungsumfeld geben. Auch die Frage, wie das frühe Glockengießerhandwerk mit der späteren Entwicklung des Ortes zusammenhängt, ist noch nicht abschließend beantwortet.

Zwischen der Entstehung der Glockengussgrube und der ersten urkundlichen Erwähnung eines Kirchengebäudes in Dülmen im Jahr 1074 liegen mehrere Jahrhunderte. Welche Entwicklungen sich in dieser Zeit vollzogen haben und was aus den vor Ort gegossenen Glocken wurde, bleibt ein spannendes Forschungsfeld.

Ausstellung noch bis Ende Januar im einsA

Wer die Ausstellung besucht, begegnet einem außergewöhnlichen Stück Dülmener Geschichte.

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des einsA noch bis zum 14. Januar 2027 zugänglich. Nach Ende der Präsentation sollen die Ausstellungsstücke dauerhaft ihren Platz im Glockenmuseum in Gescher finden.

Wer noch tiefer in die Geschichte eintauchen möchte, kann eine Führung mit Mitgliedern des Heimatvereins Dülmen vereinbaren. Das Angebot richtet sich an Gruppen, Schulklassen und interessierte Einzelpersonen. Dabei geht es um die Entdeckung der Glockengussgrube, die damalige Herstellungstechnik und die Bedeutung des Fundes für die frühe Geschichte Dülmens.

Anmeldung und Information: Stadtarchiv Dülmen, Telefon 02594 / 12416.

Buchumschlag zu den Dülmener Lokalpolitikern der Weimarer Zeit

Buch über frühere Stadtverordnete jetzt vorbestellen

Was für Menschen haben als Stadtverordnete in der Weimarer Republik die Kommunalpolitik in Dülmen bestimmt – und was wurde aus ihnen in der Zeit des Nationalsozialismus nach 1933? Diese Frage untersuchte seit 2023 ein Forschungsprojekt des Stadtarchivs Dülmen auf Grundlage eines Ratsbeschlusses, angeregt durch einen Bürgerantrag. Entstanden ist daraus nun das Buch „Die Dülmener Stadtverordneten der Weimarer Republik und ihr Schicksal im Nationalsozialismus“ von Stadtarchivar Dr. Stefan Sudmann, das der Heimatverein Dülmen herausgibt. Es geht im Oktober 2026 in den Druck und wird voraussichtlich ab Anfang Dezember 2026 erhältlich sein.

Interessierte können sich beim Bürgertreff am 3. Oktober 2026 am Stand des Heimatvereins (auf dem Markt der Möglichkeiten) über das Buch informieren und es ab diesem Tag auch beim Stadtarchiv vorbestellen (stadtarchiv@duelmen.de). Zahlreichen Sponsoren, darunter das Land Nordrhein-Westfalen, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, die Sparkasse Westmünsterland, die Bürgerstiftung Dülmen und der Lions-Club Dülmen, haben das Projekt unterstützt. So konnte ein günstiger Verkaufspreis von 3 Euro ermöglicht werden. Die Dülmener Schulen können jeweils einen kostenlosen Klassensatz zur politisch-historischen Bildung und zur Demokratie-Bildung erhalten.

Durch die Kombination vielfältiger Quellen der kommunalen, staatlichen und kirchlichen Überlieferung bietet das 172 Seiten umfassende Buch ein buntes Bild ganz verschiedener politischer Biographien. „Es wird für Dülmen aber mehr bieten als nur Biographien von 73 Stadtverordneten – darunter zwei Frauen – und Verweise auf ein Dutzend weitere Kommunalpolitiker“, betont Stadtarchivar Dr. Stefan Sudmann. „Sichtbar wird an den Biographien auch die Dülmener Stadtgesellschaft mit ihren Netzwerken.“ Denn die meisten Stadtverordneten waren nicht nur in Parteien, sondern zugleich in Vereinen, Verbänden und Gremien aktiv, in Gesangvereinen, Arbeitervereinen, Gewerkschaften, in der Kirche (Kirchenvorstand, Kirchenchor, Männersodalität) und vor allem in Schützenvereinen, z.B. als Schützenkönige und/oder Vorstandsmitglieder.

Für Nordrhein-Westfalen handelt es sich bei dem Projekt um eine Pionierstudie: Es liegen zwar für einzelne Städte Publikationen über Stadtverordnete und Stadträte der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus vor, jedoch noch nicht mit solch ausführlichen Biographien aller Stadtverordneten, wie das Dülmener Buch sie bieten wird. Das nun abgeschlossene Dülmener Forschungsprojekt kann so auch als Anregung für ähnliche Projekte in anderen Städten dienen.